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Lean Management – Unnötigen Ballast abwerfen

Lean Management

Lean Management – Unnötigen Ballast abwerfen

Das Konzept des Lean Management kombiniert Vorteile der handwerklichen Fertigung (Flexibilität, Qualität) mit denen der Massenproduktion (Schnelligkeit, niedrige Stückkosten) mit dem Ziel, hohe Produktivität bei gleichzeitig hoher Qualität zu realisieren.

Was ist Lean Management?

Lean Management ist ein in Japan entwickeltes innovatives Produktions-und Managementsystem, das den gesamten Wertschöpfungsprozess im Unternehmen umfasst. Wesentliche Hauptmerkmale des Lean Management sind:

  1.  Teamarbeit
  2. Flache Hierarchien
  3. Total Quality Management
  4. Markt- und Kundennähe
  5. Komplexitätsreduktion
  6. Simultaneous Engineering
  7. Einbeziehung der Zulieferer.

2. Philosophie und Ideologie des Lean Management

Die Philosophie des Lean Management umfasst die folgenden grundsätzlichen Denkweisen:

2.1 Proaktive Denkweise

Bei der proaktiven Denkweise werden die betrieblichen Prozesse von allen Mitarbeitern im Unternehmen vorab analysiert ind schließlich realisiert (vorausschauendes, initiatives Handeln).

2.2 Sensitive Denkweise

Beinhaltet eine potentielle Veränderungsbereitschaft. Sensitives Denken ist die kritische, offene Denkweise aller Mitarbeiter im Unternehmen mit dem Ziel einer frühzeitigen Wahrnehmung betrieblicher Probleme und Ineffizienzen im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Kaizen).

2.3 Ganzheitliche Denkweise

Die Ideologie des ganzheitlichen Denkens impliziert die bereichsübergreifende und umfassende Sichtweise komplexer Zusammenhänge hinsichtlich Planung, Steuerung, Gestaltung und Entwicklung des betrieblichen Leistungsprozesses.

2.4 Potential-Denkweise

Potentialdenken bedeutet die totale Erschließung sowie die optimale Nutzung sämtlicher verfügbarer Ressourcen (Sach- und Humankapital) mit der Zielsetzung, bei Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden und Mitbewerbern gleichgerichtete Interessen zu schaffen.

2.5 Ökonomische Denkweise

Die ökonomische Denkweise umfasst die Vermeidung unproduktiver Kosten, d.h. aller nichtwertschöpfender Tätigkeiten im Hinblick auf einen dauerhaften ökonomischen Verbesserungsprozess.

3. Organiationsprinzipien des Lean Management

Die einzelnen Organisatonsprinzipien des Lean Management stellen eine Kombination zwischen feststehenden Arbeitsverfahren und offenen Aufgabenstellungen dar, mit der primären Zielsetzung einer weitgehenden Selbstkontrolle bzw. Selbstregulierung der einzelnen Arbeitsabläufe durch die Mitarbeiter im Unternehmen. Es lassen sich folgende Arbeitsprinzipien unterscheiden:

3.1 Teamarbeit

Bei der Teamarbeit übernimmt die Gruppe die Verantwortung für zeitliche, qualitative und ablauforganisatorische Aspekte, um zum einen, Reibungsverluste zwischen den einzelnen Aufgabengebieten und Organisationsbereichen zu minimieren sowie andererseits, Kontrollinstanzen abzubauen, Arbeitsinhalte zu erweitern und gleichermaßen die Produktivität zu erhöhen.

3.2 Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter

Durch das Organisationsprinzip “aufgabenbezogene Delegation von Verantwortung” soll eine direkte Orientierung an der Wertschöpfung im Unternehmen errreicht werden. Grundvoraussetzung für die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter im Sinne des Unternehmers im Unternehmen ist eine entsprechende Qualifizierung des gesamten Personals.

3.3 Feedback

Das Mitarbeiter-Feedback-System des Lean-Konzeptes dient der Erfolgsrückkoppelung der Leistung des Mitarbeiters. Mit Hilfe meist visueller Hilfsmittel (Einsatzpläne, Qualitäts-Soll-Ist-Karten, Bewertungsbögen) soll der Mitarbeiter unterstützt werden, sein eigenes Handeln langfristig zum Erfolg zu führen.

3.4 Kundenorientierung

Das Organisationsprinzip der Kundenorientierung umfasst die Ausrichtung und Orientierung an den zentralen Kundenbedürfnissen im Hinblick auf die Faktoren Qualität, Integrität, Zuverlässigkeit, Professionalität und Vertrauenswürdigkeit. Kundenorientierung im Lean-Konzept bezieht sich sowohl auf das Innenverhältnis (Verhalten der Mitarbeiter untereinander) als auch auf das Außenverhältnis (das Verhalten dem Kunden gegenüber). Ziel dieser gelebten Kundenorientierung ist eine langfristige Full-Service-Beziehung zum Kunden.

3.5 Wertschöpfung

Die Optimierung und Effektivierung des gesamten Wertschöpfungsprozesses, d.h. die Erhöhung der wertsteigernden und die Minimierung der wertverzehrenden Unternehmensprozesse, ist ein bedeutendes Arbeitsprinzip im Lean-Konzept.

3.6 Standardisierung

Das Arbeitsprinzip der Standardisierung stellt gleichermaßen eine Methode der dauerhaften und gleichbleibenden Ergebnissicherung als auch eine Arbeitshilfe zur Flexibilitätssteigerung im Unternehmen dar (z.B. die Anwendung von Job Rotation-Verfahren).

3.7 Kaizen

Kaizen ist die Strategie eines kontinuierlichen, schrittweisen Verbesserungsprozesses aller Unternehmensbereiche und -abläufe, realisiert durch die Mitarbeiter des Unternehmens. Grundvoraussetzung dieses Konzeptes der Qualitätssteigerung und Kostensenkung ist eine dauerhafte Motivation aller Führungskräfte und Mitarbeiter.

3.8 Null-Fehler-Produktion

Das Organisationsprinzip der Null-Fehler-Produktion basiert auf der Erkenntnis, dass die kostengünstigste Fehlerbeseitigung möglichst am jeweiligen Entstehungsort erfolgen muss, und dass Fehler in positiver Ausrichtung als Quelle von Verbesserungsvorschlägen betrachtet werden müssen. D.h., jeder Mitarbeiter ist im Sinne des Kaizen-Konzeptes absolut eigenverantwortlich für die Fehlerfreiheit seiner verrichteten Tätigkeit.

3.9 Vorausschauendes Denken

Vorausschauendes Denken als Arbeitskonzept des Lean-Konzeptes bedeutet, dass die unternehmerische Gesamtplanung durch alle Mitarbeiter des Unternehmens so präzise wie möglich vorgenommen werden soll, um die Ergebniskontrollen während der Ablaufprozesse zu minimieren.

3.10 Politik der kleinen Schritte

Ziel des Organisationsprinzips “Politik der kleinen Schritte” ist es, aufgrund äußerst geringer personeller, zeitlicher und materieller Puffer-Ressourcen, größere Risiken in bezug auf Fehlentscheidungen und -entwicklungen zu vermeiden und gleichzeitig eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit zu gewährleisten.

4. Konzeptionelle Voraussetzungen des Lean Management

Die Realisierung der technischen, strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen ist für ein erfolgreiches Lean-Konzept keineswegs ausreichend. Vielmehr bedarf es darüber hinaus der geistigen Reflexion einer grundsätzlichen Managementphilosophie. Das bedeutet, begleitend zu den Veränderungen in der Organisation und der Struktur des Unternehmens müssen personelle Ansätze verbunden mit einer modifizierten Führungsphilosophie im Sinne eines Umdenkens hinsichtlich der Führung von Mitarbeitern auf allen Unternehmensebenen, wirksam werden. Hinzu kommen veränderte Anforderungen und Aufgaben an die jeweiligen Mitarbeiter, so dass die Bedeutung der Mitarbeiterqualifikation im Sinne von Fach-, Methoden- und Sozialkenntnissen im Lean-Konzept eine deutliche Aufwertung erlangt. Hiermit eng verbunden ist folglich auch die konzeptionelle Voraussetzung einer höheren und leistungsgerechten Entlohnung im Lean-Konzept. Da den einzelnen Unternehmensmitgliedern im Lean Management ein erhöhtes Maß an Arbeitsleistungen und Flexibilität abverlagt wird und darüber hinaus die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche zunehmend komplexer und vielschichtiger werden, ist eine Revision der traditionellen Entlohnungssysteme für ein erfolgreiches Lean-Konzept unverzichtbare Voraussetzung.

4.1 Führungsphilosophie

Es ist eine wesentliche Erkenntnis des Lean-Konzeptes, dass die Mitarbeiter im Unternehmen in allen Bereichen ein bestimmender Faktor für den Unternehmenserfolg darstellen. Um diesen erweiterten Anforderungen gerecht zu werden, müssen neue Formen der Mitarbeiterführung geschaffen werden. Hierzu bedarf es als Grundvoraussetzung eines kooperativen Führungsstils sowie eines Führungskräftepotentials, das mit dem tagtäglichen Vorleben der Unternehmensphilosophie, die Mitarbeiter motiviert, den Abbau von Ängsten seitens der Mitarbeiter fördert und somit langfristig und dauerhaft eine positive Einstellungs- und Verhaltensänderung aller Mitarbeiter bewirkt. Die Vorgesetzten müssen im Sinne eines Coach bzw. Trainers ihre Aufgabe verstärkt darin sehen, ihre Mitarbeiter bei der Lösung von Problemen zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern sowie allen Unternehmensmitgliedern die Möglichkeit zu geben, weitgehend eigenverantwortlich zu handeln, indem z.B. eine frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter in wichtige Entscheidungsprozesse erfolgt. D.h. Führungskräfte im Lean-Konzept zeichnen sich einerseits durch strategisch-konzeptionelles Denken und Handeln aus und andererseits gleichermaßen durch die Fähigkeit, ihre Mitarbeiter zu überdurchschnittlichen Arbeitsleistungen zu motivieren.

4.2 Mitarbeiterqualifikation

Lean Management stellt die Mitarbeitermotivation sowie die motivierende Wirkung von Aufgabeninhalten, hoher Eigenverantwortlichkeit und Selbstentfaltungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt der Unternehmensorganisation. Grundvoraussetzung hierfür ist jedoch eine hohe qualitätsorientierte Qualifikation der einzelnen Mitarbeiter in Form von Fach-, Methoden- und Sozialqualifikation sowie im Hinblick auf Zusatzqualifikationen wie Kreativität und Lernbereitschaft.

4.3 Entlohnung

Da der Faktor Lohn eine wesentliche Determinante der Arbeitszufriedenheit und damit auch des Motivationsgrades der Mitarbeiter darstellt, ist er eine wesentliche Schlüsselgröße des Lean-Konzeptes. Eine konsequente Umsetzung des Lean Managements erfordert somit zugleich auch die Einführung neuer leistungsbezogener Entlohnungssysteme, die primär darauf abzielen, die Mitarbeiter des Unternehmens dauerhaft zu motivieren. Ein Entlohnungssystem, das den Anforderungen des Lean Managements gerecht wird, könnte z.B. derart gestaltet sein, dass die Mitarbeiter des leanen Unternehmens einen festen, anforderungsadäquaten Grundlohn (Fixum) verbunden mit einem zusätzlichen leistungsabhängigen individuellen Entgelt erhalten sowie darüber hinaus eine weitere Leistungsprämie für das Gesamtgruppenergebnis plus eventueller Erfolgsbeteiligung am Unternehmen. Jedes Entlohnungssystem im Rahmen des Lean-Konzeptes kann jedoch langfristig und dauerhaft nur erfolgreich sein, wenn es kontinuierlich an die strukturellen, technischen und organisatorischen Veränderungen im Unternehmen angepasst wird und sich stets an der Zielvorgabe eines qualifizierten und motivierten Mitarbeiterstabes orientiert.